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Ölexploration im Virunga-Park

Kategorie: Gorilla Journal, Ausgabe 47, Abbau von Bodenschätzen, D. R. Kongo, Gefahren, Konflikte, Virunga-Nationalpark

Grafik zur wirtschaftlichen Bedeutung des Virunga-Nationalparks (© WWF)

Im Virunga-Nationalpark dürfen nun Ölprobebohrungen durchgeführt werden. Als Reaktion darauf hat der WWF eine Kampagne ins Leben gerufen, deren Ziel es ist, die Öffentlichkeit über die Bedeutung des Parks aufzuklären und die Auswirkungen der Ölerschließung auf die lokale Bevölkerung und die Umwelt aufzuzeigen. Der WWF hat dazu die Firma Dalberg beauftragt, eine Studie zum wirtschaftlichen Wert des Parks durchzuführen.

Der Virunga-Park ist der älteste Nationalpark Afrikas und Weltnaturerbe. Er ist für seine Vielfalt von Wäldern, Savannen, Flüssen, Seen und Sümpfen, Vulkanen und hohen Bergen mit Gletschern bekannt.

Im Dezember 2007 erteilte die Regierung der Demokratischen Republik Kongo Ölkonzessionen auf 85% der Nationalparkfläche. Der englische Konzern SOCO International PLC ist bis heute die einzige Ölfirma, die signalisiert hat, dass sie innerhalb der Parkgrenzen nach Öl bohren will. Obwohl die kongolesischen Gesetze umweltschädliche Aktivitäten in Schutzgebieten untersagen, kann SOCO eine Ausnahmeregelung nutzen.

Die Pläne zur Ölgewinnung gefährden den sozialen und ökonomischen Wert des Nationalparks. Welche Gefahren dies sein können, zeigen die Beispiele am unteren Kongo und im Nigerdelta. Die Risiken für den Virunga-Park:

  • Seismische Untersuchungen und Probebohrungen beeinflussen die Umwelt. Für die Infrastruktur wird Wald gerodet und häufig entstehen Siedlungen entlang den Straßen. Dadurch kann die Wilderei zunehmen.
  • In einem konfliktanfälligen Gebiet ist eine schadstofffreie Ölförderung praktisch unmöglich. Je länger die Pipeline und je abgeschiedener die Lage, desto schwieriger sind Wartung und Schutz. Bohrungsarbeiten in der Nähe von Vulkanen erhöhen außerdem das Eruptionsrisiko.
  • Die Ölförderung kann die Konflikte um Ressourcen weiter anheizen.
  • Der "Fluch des Öls" könnte sich negativ auf die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Region auswirken.

Die Ölerschließung könnte auch den Status des ­Virunga-Nationalparks als Weltnaturerbe gefährden, was sich negativ auf den Wert des Parks auswirken würde.

In der aktuellen Situation beträgt sein "Wert" 48,9 Millionen US-Dollar pro Jahr. Unter stabilen Verhältnissen (keine Konflikte, sicherer Zugang zum Nationalpark und ausreichender Schutz) könnte dieser Wert auf mehr als 1,1 Milliarden US-Dollar pro Jahr steigen. Bei nachhaltiger Bewirtschaftung stellen die Schutzgebiete des Kongo eine langfristige Einkommensquelle dar; der Virunga-Park alleine hat das Potenzial, den Lebensunterhalt von 45 000 Menschen zu sichern. Der WWF bittet daher die internationale Gemeinschaft um ihre Unterstützung bei dem Versuch, die Ölerschließung aus Afrikas ältestem Nationalpark fernzuhalten.

WWF

Neueste Ereignisse

Am 19. September 2013 wurde Rodrigue Katembo Mugaruka, der Konservator des zentralen Sektors des Virunga-Parks, von kongolesischen Sicherheitskräften verhaftet. Er hatte dagegen protestiert, dass SOCO-Mitarbeiter im Park ohne Erlaubnis arbeiteten. Nach 17 Tagen wurde er freigelassen.

Die Organisation Journalist in Danger berichtete, dass am 4. Oktober 2013 Gaïus Kowene, der auch Korrespondent für den niederländischen Rundfunk war, von 6 Bewaffneten angegriffen wurde. Er hatte über die Öl-Exploration im Virunga-Park berichtet. Die An­greifer verprügelten ihn und nahmen seinen Rucksack mit.

Am 7. Oktober 2013 klagte der WWF die Firma SOCO an, da sie die OECD-Richtlinien verletzt hatte.

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