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One Health für Menschen, Tiere, Ökosysteme

Kategorie: Gorilla Journal, Ausgabe 55, Berggorillas, Uganda, Bwindi, Krankheiten

Analyse von Kotproben im CTPH-Labor: rechts Stephen Rubanga, einer der Gründer von CTPH und Chef-Veterinärtechniker, links Studentinnen der Universitäten London und Dublin (© CTPH)

Das Konzept "One Health" basiert auf der Erkenntnis, dass Mensch und Gorilla mit vielen anderen Arten zu einem einzigen Ökosystem gehören und dass die Gesundheit aller eng miteinander zusammenhängt. So sieht das auch die ugandische Organisation CTPH.

Die Initiative Conservation Through Public Health (CTPH) will der Übertragung von Krankheiten zwischen Menschen und Gorillas entgegenwirken. Wie wichtig das ist, erfuhr ich bereits 1996. Bei den Berggorillas war Krätze ausgebrochen, die sich auf Menschen im Umkreis eines Nationalparks mit eingeschränkter medizinischer Versorgung zurückführen ließ. Wir erstellten und verteilten Broschüren zum Thema Krankheitsübertragung zwischen Menschen und Tieren in Englisch und in der lokalen Sprache und führten dabei Gespräche mit über 1000 Personen aus acht Dörfern.

Wir wollen erreichen, dass Menschen, Vieh und Wildtiere in den Schutzgebieten und in deren Umgebung harmonisch in gesunden Ökosystemen koexistieren können. Zu diesem Zweck engagiert CTPH sich mit drei Programmen: Wildtierschutz, Gesundheitsvorsorge für die Gemeinden vor Ort und Verbesserung ihrer Lebensgrundlagen.

Im Rahmen des Wildtierschutzes überwachen wir die Gesundheit der Gorillas und können so frühzeitig erkennen, ob eine Epidemie droht. Die Wildhüter entnehmen allmonatlich Kotproben aus den Schlafnestern der Gorillas, die wir dann untersuchen. Darüber hinaus arbeiten wir mit einheimischen freiwilligen Helfern aus dem Projekt Human Gorilla Conflict Resolution (HuGo) zusammen, die Gorillas von Feldern in die Nationalparks zurücktreiben und dabei auf eventuelle Krankheitszeichen achten.

Im Rahmen der Gesundheitsvorsorge wurden bereits 2007 sogenannte Village Health and Conservation Teams (VHCTs) von Dorfbewohnern etabliert. Jedes Team betreut 50 Haushalte und berät diese z. B. in Sachen Hygiene und Vermeidung von Infektionskrankheiten. Die Teams sind gehalten, Fälle von Tuberkulose, HIV, Krätze und Durchfall der nächstgelegenen Gesundheitsbehörde zu melden.

Bei der Verbesserung der Lebensgrundlagen geht es darum, den VHCTs Mittel zur Verfügung zu stellen, die in die Nutztierhaltung fließen und so den Teammitgliedern ein festes Einkommen sichern, damit sie ihrer freiwilligen Tätigkeit auch künftig nachgehen können. 2016 haben wir dieses Programm auf die freiwilligen HuGo-Mitarbeiter erweitert.

Die Nkuringo-Gruppe verbringt über 50 % ihrer Zeit auf Feldern am Südrand des Bwindi-Nationalparks; diese Gorillas sind nach unseren Untersuchungen am stärksten von Parasiten befallen. Wir haben daraufhin die HuGo-Aktivitäten dort verstärkt und Menschen, Vieh und Gorillas auf Parasiten der Gattungen Giardia und Cryptosporidium getestet. Dabei fanden wir vor allem Giardia bei Menschen, die wegen Durchfall behandelt wurden. Wir rieten den Betroffenen, ihr Trinkwasser ausschließlich aus sicheren Quellen zu beziehen (Befragungen ergaben, dass davon nur bei 50 % der Haushalte ausgegangen werden konnte). Ferner hat man damit begonnen, im südlichen Sektor von Bwindi Latrinen anzulegen.

Die monatliche Untersuchung von Gorilla-Kotproben ist mittlerweile Bestandteil des offiziellen Aktionsplans in Bwindi. Auf diese Weise wird hoffentlich vermieden, dass die Gorillas mit Giardia infiziert werden, das noch schwerere Gesundheitsprobleme verursacht als Cryptosporidium.

2016 starteten wir in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Oxford eine Evaluationsstudie, aus der hervorgehen soll, wie sich die Investitionen der letzten zehn Jahre im Einzelnen ausgewirkt haben. Außerdem soll sie Hinweise geben, wie wir unsere Programme optimieren und auf weitere Dörfer um den Bwindi-Nationalpark sowie auf andere Gebiete ausdehnen können, sowohl in Uganda als auch anderswo.

Gladys Kalema-Zikusoka