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Ape Campaign

Kategorie: Gorilla Journal, Ausgabe 41, Aktionen, Schutzmaßnahmen, Zoos

Europäische Zoos führen im Jahr 2011 eine Kampagne zum Schutz von Menschenaffen durch. Ziele sind das Sammeln von 1 Million Euro für ausgewählte Projekte und die Aufklärung der Öffentlichkeit über die Probleme, mit denen Menschenaffen zu kämpfen haben.

Seit nunmehr 10 Jahren führt der europäische Zoofachverband EAZA jährlich eine Naturschutz-Kampagne durch. 2001 war die Premiere dieses gemeinsamen Einsatzes - zur Bushmeat-Problematik. Damals waren der Wildfleischhandel und seine katastrophale Auswirkung auf die Menschenaffen in weiten Kreisen noch völlig unbekannt. Die Vorstellung von Gorillas auf dem Speiseplan schockte viele Menschen. Mehr als 1,9 Millionen Zoobesucher unterzeichneten die von den Zoos initiierte Petition an das Europäische Parlament, welches in der Folge Resolutionen verabschiedete, die den Bushmeat-Handel eindämmen sollten.

Danach widmeten sich die EAZA-Kampagnen unter anderem dem Tiger und den Nashörnern. Aber auch Tieren, die es nicht gerade auf der Hitliste der Zoolieblinge stehen, widmete die EAZA ihre Aufmerksamkeit, etwa in Zusammenarbeit mit der IUCN den bedrohten Amphibien. Und mit dem brasilianischen Küstenregenwald und der Fauna und Flora Madagaskars standen auch schon ganze Lebensräume im Mittelpunkt.

Im September 2010 wurde die neue Kampagne für 2011 lanciert, die "EAZA Ape Campaign". Kurz und bündig, allerdings leider nur im Englischen. Die Kampagne konzentriert sich auf alle Primaten, die im Englischen "ape" genannt werden, also die Menschenaffen einschließlich der Gibbons.

Zielsetzung der Ape Campaign

Das Ziel der Kampagne besteht aus zwei Teilen: Einerseits wollen wir eindringlich auf die Bedrohungen der Menschenaffen aufmerksam machen, andererseits Geldmittel für Projekte sammeln. Die Projekte stellen eine mögliche - zumindest regionale - Lösung zu den Bedrohungen dar: Verlust des natürlichen Lebensraums, Jagd und Handel mit Bushmeat und lebenden Tieren sowie die Übertragung von Krankheiten bei intensiviertem Mensch-Menschenaffen-Kontakt.

Das ehrgeizige finanzielle Ziel ist, im Lauf des Jahres 1 Million Euro zu sammeln, um mehrere Projekte langfristig unterstützen zu können. Für die erste Runde dieses Projektsponsorings wurden 16 Projekte eingereicht, die im Zusammenhang mit Zoos stehen mussten. Eine Kommission wählte vier Projekte aus, die Unterstützung erhalten und während der Kampagne kommunikationstechnisch als Beispiele dienen. Das Dja Biosphere Project in Kamerun wurde als Projekt für den Gorillaschutz gewählt. Im Lauf des Jahres wird deutlich werden, ob die Kampagne ihr Ziel bei den Spendenaktionen erreicht und genügend Geldmittel sammelt, dass es einen weiteren Aufruf zum Einreichen von Projektvorschlägen geben kann.

Motivation

Die Teilnahme der Mitgliedszoos an den Naturschutzkampagnen der EAZA ist erwünscht, aber nicht verpflichtend. Wichtig ist in erster Linie, möglichst viele zu motivieren, sich für die Kampagne einzusetzen. Viele Zoos haben schon eigene Stiftungen für Naturschutz und unterstützen bereits auf individueller Basis eine Anzahl Projekte. In Zeiten, in denen Besucher aufgrund der Finanzkrise ihre Geldbörsen in Zoorestaurants und an Spendenboxen nur zögerlich öffnen, fürchtet so mancher Zoo einen gewissen Kannibalismus in diesem Bereich. Daher ist es notwendig, dass die einzelnen Zoos hinter den Zielsetzungen der Kampagne stehen und sich mit den ausgewählten Projekten identifizieren können.

Nebenbei ist es wichtig, dass die Zoos nicht abgeschreckt werden, weil sie vorab Geld und Zeit investieren müssen. Hintergrundinformation zu allen Menschenaffenarten wird daher auf einer eigenen Website geliefert. Auch für Privatpersonen lohnt es sich, auf www.apecampaign.org vorbeizuschauen! Dort werden auch allerlei Ideen für Aktivitäten im Zoo, von der Bastelecke bis zur Vortragsreihe, geliefert.

Außerdem bietet die EAZA den an der Kampagne teilnehmenden Institutionen auf der Website auch vielerlei gratis nutzbare Bild- und Textressourcen an. Aus Copyright-Gründen sind diese jedoch nicht allgemein zugänglich, sondern nur für Teilnehmer. Auch Informationsschilder werden schon entworfen und müssen nur noch in die jeweiligen Landessprachen übersetzt werden.

Mitmachen

Was können Sie tun, um die EAZA Ape Campaign zu einem Erfolg zu machen? Behalten Sie die Websites Zoologischer Gärten in Ihrer Nähe im Auge. Schon bald werden Sie erfahren, welche Zoos bei der Kampagne mitmachen. Sie können Ihr persönliches Engagement natürlich darauf beschränken, allein oder mit (Enkel-)Kindern zu den Menschenaffen-Aktionstagen in die jeweiligen Zoo zu gehen und die Spendenbox zu füttern; als aktives Mitglied und Unterstützer der Berggorilla & Regenwald Direkthilfe wollen Sie aber vielleicht mehr tun. Vielleicht wollen Sie im Rahmen eines Diavortrags von Ihrem Besuch bei den Berggorillas berichten, oder eventuell denken Sie daran, Zoobesucher an einem Wochenende an einem Info-Tisch über die Bedrohungen der Menschenaffen zu informieren. Wenden Sie sich mit Ihren Ideen an die Zoopädagogischen Abteilungen der Teilnehmerzoos! Man wird Ihnen dankbar sein, dass dadurch vielleicht so mancher Aktionstag bereichert wird; und hoffentlich entsteht so eine für beide Seiten zufriedenstellende und nützliche Zusammenarbeit!

(un)umstritten

300 Zoos in Europa haben sich zum Fachverband EAZA (European Association of Zoos and Aquaria) zusammengeschlossen. Mit ca. 125 Millionen Besuchern pro Jahr haben die EAZA-Zoos unbestritten ein enormes Potenzial bei Öffentlichkeitsarbeit und Pädagogik. Innerhalb des Verbandes gelten nicht nur gewisse Standards betreffend Haltung, Ethik, und Pädagogik, auch die Europäischen Erhaltungszuchtprogramme (für mehr als 300 großteils bedrohte Tierarten bestehen Züchtbücher und/oder Zuchtprogramme) werden auf EAZA-Niveau organisiert. Außerdem verpflichten sich EAZA-Zoos zur Unterstützung von Naturschutzprojekten. In EAZA-Zoos leben ungefähr 430 Westliche Flachlandgorillas in etwas mehr als 60 Tierparks.

Nicht jedes Mitglied der Berggorilla & Regenwald Direkthilfe und nicht jeder Primatologe oder Naturschützer heißt Zootierhaltung vorbehaltlos gut. Gerade die Haltung von intelligenten Säugetieren mit komplexer Sozialstruktur und/oder schwierig nachzuahmenden Lebensräumen wie Delfinen, Elefanten und eben Menschenaffen ist nicht unumstritten. Wenn man aber die Haltung von zoogeborenen Gorillas und anderen Menschenaffen in gut geführten zoologischen Gärten akzeptiert, dann ist es unverzichtbar, diese Tiere möglichst gut und effektiv als Sympathieträger und Botschafter für ihre wilden Artgenossen einzusetzen.


Constanze Melicharek

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