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Behandlung von Gorillawaisen

Kategorie: Gorilla Journal, Ausgabe 43, Grauergorillas, Bushmeat, Gefahren, Östliche Gorillas, Berggorillas, D. R. Kongo, Ruanda
Jan Ramer, rechts, bei der Untersuchung von Shamavu

Jan Ramer, rechts, bei der Untersuchung von Shamavu (© Molly Feltner)

Immer öfter kommt es in der Demokratischen Republik Kongo zur Konfiszierung von Gorillawaisen. Allein in diesem Jahr waren es drei Grauergorillas (Kyasa und Lubutu sowie im Oktober 2011 Shamavu). Und am 2. August 2011 wurde in der ruandischen Stadt Gisenyi – erstmals wieder seit 2003 – mit Ihirwe vermutlich ein junger Berggorilla kon­fisziert, der aus dem Kongo über die Grenze ge­schmug­gelt werden sollte.

Die bedauernswerten Geschöpfe mussten meist mitansehen, wie Familienmitglieder umkamen, und wurden nach der Gefangennahme grob behandelt und schlecht ernährt. Sie sind deshalb emotional traumatisiert und oft auch verletzt oder krank. Die Gorilla Doctors bemühen sich um eine rasche Diagnose und leiten dann entsprechende Therapien ein.

Der nächste Schritt besteht darin, dass die 1–3 Jahre alten Gorillas erfahrenen Pflegern überantwortet werden, die vorher einen ausführlichen Gesundheits-Check durchlaufen müssen. Diese Betreuer sollen ihnen so weit wie möglich die Mütter ersetzen, die in den ersten 3 Lebensjahren eine zentrale Rolle spielen. Sie tragen beim Kontakt mit ihren Pfleglingen Overalls, Mundschutz und Latex-Handschuhe, damit keine menschlichen Krankheiten übertragen werden (besonders anfällig sind Gorillas für Atemwegserkrankungen).

Nach etwa einer Woche in der neuen Umgebung findet eine allgemeine Untersuchung statt, bei der unter anderem ein Tuberkulose-Test durchgeführt, das Tier gegen Tollwut, Tetanus und Masern geimpft und bei Parasitenbefall entsprechend behandelt wird. Bevor es mit Artgenossen zusammenkommt, durchläuft es eine 30-tägige Quarantäne.

Idealerweise sollen die Waisen später ausgewildert werden. Weil die Integration in eine neue oder auch die ursprüngliche Familiengruppe ein sehr komplexer Prozess ist, hat man vor einigen Jahren ein Beratungsgremium gebildet, das aus Vertretern diverser Natur- und Tierschutzorganisationen besteht und mindestens einmal pro Jahr zusammenkommt, um die Lage zu besprechen und die nächs­ten Schritte zu planen. Kein Gorilla wird ausgewildert, bevor feststeht, dass er fähig ist, in freier Natur zu überleben. Außerdem muss gewährleistet sein, dass die vorgesehene Familiengruppe in einem sicheren Gebiet lebt und von einem Silberrücken angeführt wird, der sie effektiv schützen kann.

Dieser Prozess kann sich etliche Jahre hinziehen. Bis es so weit ist, leben die Grauergorilla-Waisen im GRACE-Zentrum in Kasugho und die Berggorillas in der Station Senkwekwe in Rumangabo (beide Demokratische Republik Kongo), wo sie unter den wachsamen Augen ihrer Pfleger den Umgang mit Artgenossen lernen.

Jan Ramer

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