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Bwindi: gerechter Gorillaschutz

Kategorie: Ausgabe 49, Berggorillas, Bwindi, Gorilla Journal, Konflikte, Tourismus, Uganda

Eine Familie bewacht ihr Feld am Rand des Bwindi-Impenetrable-Nationalparks vor der Plünderung durch Wildtiere. (© Mariel Harrison)

Die Heimat der Bwindi-Gorillas in Uganda liegt in einer der ärmsten Gegenden Afrikas. Bei den Schutzmaßnahmen müssen daher die Nöte der dort lebenden Menschen ebenfalls berücksichtigt werden.

Damit auch die Menschen in der Umgebung des Nationalparks von diesem profitieren, wird seit über 20 Jahren ein Konzept namens Integrated Conservation and Development (ICD) eingesetzt. Es sieht u. a. vor, dass ein Teil der Einnahmen aus dem Gorillatourismus in den Bau von Schulen und Straßen fließt, dass Bauern unterstützt und gesundheitsfördernde Maßnahmen finanziert werden. Mittlerweile mussten die Parkverantwortlichen jedoch feststellen, dass bisher zu wenig erreicht wurde: Noch immer werden die Parkgrenzen missachtet und Wilderer treiben ihr Unwesen.

2012 hat sich das IIED (International Institute for Environment and Development) mit führenden Organisationen aus den Bereichen Forschung und Naturschutz, darunter das Jane Goodall Institute Uganda und das Imperial College London, zusammengetan und eine Studie in Auftrag gegeben. Untersucht wurde, wer die Ressourcen in Bwindi noch nutzt und aus welchen Gründen. Die Studie wurde 2013 abgeschlossen und ergab Folgendes:

  • Die größte Armut herrscht unter den Bewohnern der Zone, die unmittelbar an den Park grenzt. Ihre Felder werden immer wieder von Wildtieren, u. a. Gorillas, geplündert; aufgrund ihrer geringen Bildung fällt es diesen Menschen schwer, eine andere Arbeit zu finden. Außerdem leben sie weitab von den Handelszentren und oft auch von Straßen.

  • Die Bevölkerung der Parkrandzone profitiert in der Regel nur wenig von den ICD-Maßnahmen, weil diese meist den Menschen in weniger abgelegenen Gebieten zugute kommen.

  • Personen, die wegen illegaler Aktivitäten festgenommen wurden, leben in sehr bedrängten Verhältnissen, sodass auch hier Armut als wesentlicher Auslöser gesehen werden kann.

  • Viele Bewohner der Randzone jagen illegal im Park, um ihren Fleischbedarf zu decken, weil sie sich kein Vieh leisten können. Es gibt jedoch auch Wilderer mit anderen Motiven. Ihnen geht es nicht um Nahrung oder Einkommen aus dem Verkauf von Wildfleisch, sondern sie fühlen sich durch die Schutzmaßnahmen benachteiligt, weil Wildtiere ihre Felder plündern und weil Jobs im Nationalpark nicht an sie, sondern an "Außenstehende" vergeben werden.

Die Studie wurde im August 2014 unter dem Titel Linking Conservation, Equity and Poverty Alleviation veröffentlicht. Bei der Präsentation der Ergebnisse vor politischen Entscheidungsträgern und Naturschutzorganisationen betonten die Herausgeber die dringende Notwendigkeit, für einen Ausgleich zu sorgen. Mit anderen Worten: Die Einnahmen aus dem Gorillatourismus müssen gerechter investiert und Jobs im Nationalpark öfter an Einheimische vergeben werden, um die Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren zu verringern. Außerdem müssen die Bewohner der Parkrandzone stärker von den eingenommenen Geldern profitieren, denn sie haben einen Großteil der Last aus den Schutzmaßnahmen zu tragen.

Julia Baker

Twinamatsiko, M. et al. (2014): Linking conservation, equity and poverty alleviation: understanding profiles and motivations of resource users and local perceptions of governance at Bwindi Impenetrable National Park, Uganda. IIED Research Report, London

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