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Gefahren für das Sarambwe-Reservat

Kategorie: Berggorillas, D. R. Kongo, Sarambwe, Gefahren, Gorillagruppen, Konflikte, Schutzmaßnahmen, Gorilla Journal, Ausgabe 51

Schlinge, die von Wilderern im Sarambwe-Reservat gelegt wurde (© Aimé Bararuha)

Schon seit langer Zeit wird der Schutz des Sarambwe-Reservats durch die immer gleichen Bedrohungen behindert. Dieser Artikel beruht auf den Monatsberichten der Fährtenleser von Oktober 2014 bis September 2015 sowie weiteren Informationen.

Die Fährtenleser sorgten nicht nur für die Zugänglichkeit der Wege im Reservat, sondern auch für die Station und für die Markierung der Reservatsgrenze, außerdem führten sie regelmäßig mit den Wildhütern Patrouillen durch. Dabei stellten sie fest, dass sich in 7 von 12 Monaten Gorillas im Reservat aufhielten. Es handelte sich um 3 Gruppen und einen einzelnen Silberrückenmann, der das Reservat häufiger besuchte als die anderen Gorillas. Die kleinste Familie ist nicht an Menschen gewöhnt und umfasst 4 Mitglieder, die beiden anderen haben 8 Mitglieder (Mukali-Gruppe) und 11 Mitglieder (Gahanga-Gruppe). Die meiste Zeit verbrachte die kleinste Gruppe im Reservat, die wenigste die größte Gruppe. Ob die habituierten Gruppen in Bwindi von Touristen besucht werden, ist den Sarambwe-Fährtenlesern nicht bekannt.

Neben den Gorillas beobachteten die Wildhüter mindestens 15 Gruppen von Kongo-Weißnasenmeerkatzen, Paviane, Guerezas und Schimpansen. Pinselohrschweine werden ebenfalls gelegentlich gesichtet, Ducker besuchen das Reservat ziemlich selten.

Bedrohungen: Die illegalen Aktivitäten im Sarambwe-Reservat sind sehr alarmierend. Zu mehr als 95% sind ugandische Dorfbewohner dafür verantwortlich. Sie werden von Soldaten unterstützt, die entlang der Grenze stationiert sind. Der Bwindi-Impenetrable-Nationalpark wird sehr streng geschützt. Die Einnahmen werden mit der Bevölkerung geteilt, aber davon profitieren vor allem die Menschen, die nahe den Straßen leben und weniger die in größerer Entfernung von den Straßen und am Rand des Schutzgebiets. Deshalb wildern diese in Bwindi. Wo Sarambwe nah ist, zerstören sie das Reservat mit Hilfe der Armee - sie wissen, dass es nicht so gut geschützt wird. Beobachtet wurden vor allem folgende illegale Aktivitäten:

  • landwirtschaftliche Nutzung nach Rodung und Abbrennen der Flächen,
  • Fällen von Bäumen für Holz und Holzkohle,
  • Wilderei mit Fallen und Hunden,
  • Aufenthalt zahlreicher Personen im Reservat zu jeder Jahreszeit.

 

Im Reservat ist die Landwirtschaft die größte Bedrohung. Durch Feuer zur Vorbereitung der Felder wurden im Februar und März 20 ha Brachland und im September 0,5 ha Wald vernichtet. Im August wurden 4 ha gerodet. Auf 4 ha wurden Bananenstauden als Dauerkultur angepflanzt und einjährige Nutzpflanzen wie Bohnen, Maniok und Weizen - für sie wurden 38 ha abgebrannt und gerodet.

Im Wald wurden große Bäume gefällt; aus ihnen stellten die Ugander Rundholz und Holzkohle her. Nach einer Verhaftungswelle dieser Holzfäller fanden im Januar 2014 Verhandlungen zwischen den lokalen ugandischen und kongolesischen Behörden statt; danach hörten diese Aktivitäten auf. 2015 gab es jedoch 3 neue Fälle. Beim Versuch, die Holzfäller festzunehmen, entstand ein Feuergefecht zwischen ugandischen Soldaten und Sarambwe-Wildhütern. Danach patrouillierten 4 ugandische Soldaten im Sarambwe-Reservat. Als im August wieder 5 Holzfäller eindrangen, wurden sie von Wildhütern und Fährtenlesern vertrieben und mussten das eingeschlagene Holz zurücklassen. Sie wandten sich an ugandische Soldaten und behaupteten, von FDLR-Kämpfern angegriffen worden seien; daraufhin griffen die Soldaten den Sarambwe-Posten an, verhafteten die Wildhüter und nahmen sie nach Uganda mit. Erst am nächsten Tag kamen sie wieder frei.

Auch gewildert wird im Sarambwe-Reservat, sowohl mit Metallschlingen (damit werden Pinselohrschweine und Paviane gefangen) als auch mit Nylonschlingen und Lianen für Kleinsäuger sowie mit Fangeisen. Häufig haben die Wilderer Hunde dabei, die auch manchmal allein im Reservat herumirren. In diesem Jahr wurden 33 Fallen für Kleinsäuger, 20 für größere Säugetiere und ein Fangeisen im Reservat eingesammelt.

Die Berggorilla & Regenwald Direkthilfe hat ihre Unterstützung des Sarambwe-Reservats wieder aufgenommen: Ziel ist die Wiederherstellung der Infrastruktur (Sarambwe-Posten, Ausrüstung, Kommunikationsmittel, Motorrad usw.) und Hilfe für die Gemeinden im Umfeld des Reservats. Die Renovierung des Wildhüterpostens konnte noch nicht erfolgen, weil das Baumaterial auf den beschädigten Straßen nicht angeliefert werden kann. Die Fährtenleser sind in der Benutzung der von der Berggorilla & Regenwald Direkthilfe gespendeten GPS-Geräte ausgebildet worden und sammeln bereits kartografische Daten im Reservat.

Für die nächste Zeit sind im Sarambwe-Reservat folgende Aktivitäten dringend zu empfehlen:

 

  •   Bestandsaufnahme der Tiere,
  •   Ausbildung der Fährtenleser in der Artenbestimmung,
  •   Lobbyarbeit auf höchster Ebene in Uganda,
  •   Verstärkung der Hilfe für die angrenzenden Gemeinden und
  •   Ausstattung des Sarambwe-Postens mit Mobiliar, einer Küche und Küchenausstattung.

 

Claude Sikubwabo Kiyengo

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