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Johannes Refisch: Uganda 1993

Kategorie: Reiseberichte, Bestandsaufnahme, Bwindi, D. R. Kongo, Kahuzi-Biega, Mgahinga, Uganda, Ausgabe 1

Die Reise im Auftrag der Berggorilla & Regenwald Direkthilfe (6.8.-5.11.93) führte in den Bwindi-Impenetrable-Nationalpark, den Mgahinga-Gorilla-Nationalpark und den Kahuzi-Biega-Nationalpark. Dabei stand eine ausführliche Dokumentation der Aktivitäten der dort angesiedelten Naturschutzprojekte im Mittelpunkt. Für die Mitgliederversammlung im Februar 1994 arbeitete ich auch eine biogeographische Dokumentation über die beiden ugandischen Nationalparks aus. Ferner wurden vor Ort die Möglichkeiten einer weiteren Kooperation erörtert; besonders wichtig war die Klärung der Formalitäten beim Landankauf in Buhoma. Im folgenden fasse ich meine Aktivitäten in Uganda zusammen.

Impenetrable Forest
Die ersten beiden Wochen meines Aufenthaltes im Impenetrable Forest nutzte ich dazu, gemeinsam mit Thomas Butynski einen Bericht über das Impenetrable Forest Conservation Project anzufertigen. Nach unseren Erkenntnissen ist es in den letzten Jahren gelungen, die menschlichen Einflüsse im Park auf ein Minimum zu reduzieren. Die Parkranger bestätigten, daß sich zur Zeit keine Goldsucher im Park befinden. Auch Holzeinschlag und Wilderei sind stark zurückgegangen. Das gute Verhältnis zwischen T. Butynski und den Rangern sowie die engagierte Arbeit aller konnten den Park weitgehend frei von menschlichen Störungen halten.
Der positive Eindruck sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Park auch weiterhin durch den hohen Bevölkerungsdruck bedroht ist. Bei einem Besuch in Byumba (Nordsektor) mußten wir feststellen, daß durch das Abbrennen der nahegelegenen Felder am Ende der Trockenzeit die Parkgrenze verletzt wurde. Mitte der 80er Jahre war das Gebiet am Mbwa River Tract, der sich an der Nordgrenze des südlichen Parkteiles entlangzieht und seit 1991 zur Park gehört, ins Forest Reserve integriert und dann trotzdem zur Besiedlung freigegeben worden. Eine weitere Ausdehnung dieser Kulturfläche sollte verhindert bzw. eine Umsiedlung der betroffenen Bevölkerung mit Kompensationszahlungen ins Auge gefaßt werden. Während der Gorillazählung fanden wir außerdem im Süden des Impenetrable Forest, nördlich von Rubuguli, Hinweise auf illegale Holzentnahme. Insgesamt kann man jedoch feststellen, daß der Impenetrable Forest seit der Gründung des Nationalparks wesentlich besser geschützt werden kann.
Das Projekt Development through Conservation erprobt derzeit in vier Zonen des Parks ein neues Nutzungskonzept (multiple use), bei dem die Bevölkerung der angrenzenden Gemeinden gewisse Ressourcen des Schutzgebietes für den Eigenbedarf nutzen kann. Über die Auswirkungen dieser Eingriffe liegen noch keine Forschungsergebnisse vor.

Landankauf
In Gesprächen mit Thomas Butynski und Jonathan Baranga, der den Landankauf abwickelte, stand der Einsatz der Berggorilla & Regenwald Direkthilfe in Buhoma im Mittelpunkt. Bei einer Besichtigung der angekauften Landflächen stellte ich fest, daß einige noch Regenwaldreste enthalten und daß auf den vor 2 Jahren erworbenen Arealen die Regeneration bereits weit fortgeschritten ist. Die angekauften Flächen erlauben den Ausbau der touristischen Infrastruktur, ohne den Regenwald innerhalb der Parkgrenzen zu beeinträchtigen. Außerdem wurde durch den Landankauf eine Pufferzone zwischen Regenwald und Kulturflächen geschaffen.
Alle Beteiligten sprachen sich dafür aus, den Landankauf in Buhoma fortzusetzen. Folgende Problemzonen im Parkrandbereich sollten in Zukunft einbezogen werden:

  • In Buhoma das Gebiet bis zur zairischen Grenze.
  • Am Mbwa River Tract das besiedelte Gebiet; da fast alle Familien noch Land außerhalb der Parkgrenze besitzen, wird an eine Umsiedlung mit Kompensation gedacht.
  • Eine Erweiterung des Kitahurira-Korridors könnte Interaktionen zwischen Teilpopulationen verschiedener Tierarten erleichtern.
  • Der Ngoto Swamp sollte mit seiner gesamten Fläche in den Nationalpark einbezogen werden.
  • Auch der Ishaya-Korridor sollte erweitert werden.

Gorilla-Bestandsaufnahme
Die unter Thomas Butynski schon seit einigen Jahren durchgeführte Bestandsaufnahme der Berggorillas wurde nun abgeschlossen. Meine Aufgabe war dabei die Erfassung im Südteil des Impenetrable Forest.
Da direkte Beobachtungen der Tiere kaum möglich sind, ermittelt man die Gruppengröße durch das Zählen der Schlafnester. Die Größe der Kotballen erlaubt Aussagen über die Altersklassen, denen die einzelnen Tiere angehören. Zur Unterscheidung von Silberrücken und großen Weibchen dient die Haarfarbe. Um allerdings sichere Aussagen über die Zusammensetzung einer Gorillafamilie treffen zu können, sollten ihre Nestplätze an drei aufeinanderfolgenden Tagen untersucht werden.

Johannes Refisch

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