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Ölbohrungen in Virunga - jetzt doch?

Kategorie: Ausgabe 55, Gorilla Journal, Östliche Gorillas, D. R. Kongo, Virunga-Nationalpark, Abbau von Bodenschätzen

Parc National des Virunga (© Angela Meder)

Nach dem Rückzug der Ölgesellschaft SOCO im Jahr 2015 schien die Gefahr durch Ölbohrungen für den Virunga-Nationalpark gebannt. Doch jetzt gibt es neue Verhandlungen mit einer Offshore-Firma.

Nach einer großen Kampagne von Umweltschützern verkündete die Britische Firma SOCO International im Juni 2014 das Ende ihrer Aktivitäten im Virunga-Park. Die Ölbohrungen hätten das Rückzugsgebiet der Berggorillas gefährdet und das Ökosystem Edwardsee, das durch Verschmutzungen mit Öl zerstört würde.

Kürzlich allerdings wurde bekannt, dass die staatliche kongolesische Ölgesellschaft Sonahydro ihr prinzipielles Einverständnis gegeben hat, die ehemalige SOCO-Lizenz einer unbekannten Gesellschaft namens Oil Quest International mit Sitz auf der Isle of Man zu übertragen. Der Direktor dieser Gesellschaft ist kein anderer als der Sohn des aktuellen Präsidenten von SOCO. Ein weiterer "Zufall" lässt aufhorchen: Der zuständige Mann für die Demokratische Republik Kongo ist der ehemalige Vertreter von SOCO. Es sieht so aus, als ob SOCO die Öllizenz für Virunga zurückhaben möchte. Auf der ugandischen Seite hat die irische Firma Tullow Oil Ölreserven von 1,7 Milliarden Barrel entdeckt, und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich im Gebiet des Zentralafrikanischen Grabens auf der kongolesischen Seite ebenfalls wertvolle Ölvorkommen befinden.

Der Direktor des Parks, Emmanuel de Merode, macht jedoch klar: Die Gesetze in der Demokratischen Republik Kongo sind eindeutig. Eine Ölförderung in einem Weltnaturerbe ist nicht erlaubt und internationale Vereinbarungen haben hier Vorrang vor nationalen Gesetzen. Auch der Status des Virunga-Parks als Weltnaturerbe steht hier auf dem Spiel. Doch warum wird dann verhandelt? Zu befürchten ist, dass SOCO auch vor korrupten Praktiken nicht zurückschreckt, um das angestrebte Ziel zu erreichen.

Zusammenfassung eines Artikels von François Misser in La Libre Afrique

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