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Tourismus in Bwindi - Sicht der Bevölkerung

Kategorie: Gorilla Journal, Ausgabe 48, Berggorillas, Bwindi, Tourismus, Konflikte, Uganda

Andenkenläden für Touristen am Rand des Bwindi-Parks (© Rolf Brunner)

In einer Studie des IGCP wurden 2012 die Auswirkungen der Habituierung und des Gorillatourismus auf den Schutz der Bwindi-Gorillas untersucht. In offenen Diskussionen wurden die Meinungen der Gemeinden im Umfeld des Bwindi-Impenetrable-Nationalparks zu den Gorillas und zum Tourismus erfragt.

Positiv finden die Menschen, dass ihre Region durch die Gorillas weltweit bekannt ist, dass die Sicherheit und die Infrastruktur (Straßen, Schulen, Krankenhäuser) verbessert wurden. Als negativ empfinden sie, dass die Gorillas Felder plündern, gelegentlich Menschen verletzen und dass die lokale Bevölkerung das Parkgebiet nicht mehr nutzen darf.

Was die Parkmitarbeiter und Wissenschaftler angeht, ist positiv, dass sie Kontakte zu den Besuchern herstellen, dass Arbeitsplätze und Verdienstmöglichkeiten entstehen und die Gorillas durch die Habituierung aus Sicht der Befragten weniger bedrohlich sind. Negativ empfindet die Bevölkerung etwa, dass einige Parkmitarbeiter sie schikanieren und ihnen bei Problemen mit den Gorillas nicht helfen. Manche Mitarbeiter verhalten sich auch unmoralisch zu Frauen und Kindern und schaffen so soziale Spannungen. Den Parkmitarbeitern wird vorgeworfen, dass sie sich nur für Touristen interessieren und mit diesen die Gorillas auf den Feldern der Gemeinden beobachten.

Die Tourismusveranstalter schaffen aus Sicht der Bevölkerung Arbeitsplätze, Ausbildungsmöglichkeiten, einen Markt für lokale Produkte, unterstützen Schulen und Gemeindeprojekte und erleichtern das Sammeln von Spenden. Negativ finden die Befragten, dass sie schlecht bezahlt und oft ohne Grund wieder entlassen werden, dass manche Angestellte der Unternehmen in Prostitution und Drogenhandel verwickelt sind und die Verkehrsregeln missachten.

Die Besucher unterstützen aus Sicht der Gemeinden bedürftige Gruppen wie Waisenkinder, ermöglichen Bildung und internationale Aufmerksamkeit. Negativ fällt auf, dass viele Besucher nicht angemessen gekleidet sind, dass sie ohne zu fragen Menschen fotografieren und ihren Müll im Wald lassen.

Die Befragung ergab, dass die Menschen Gorillas oder Touristen nicht hassen, aber teilweise sehr frustriert sind. Damit die Situation nicht eskaliert und sie ihren Ärger an den Gorillas auslassen, muss man die Bedürfnisse der Bevölkerung ernst nehmen und Lösungen finden, besonders für folgende Probleme:

  • Da es in Uganda für Ernteausfälle durch Gorillas keine offizielle Entschädigungspolitik gibt, muss dies mit den Gemeinden ausgehandelt werden, ebenso die Entlohnung der Landbesitzer, wenn auf ihrem Land Gorillabesuche stattfinden.

  • Die Erwartungen, welche Gewinne der Gorillatourismus abwirft, müssen realistisch bleiben. Dazu ist Aufklärung nötig. Außerdem müssen alternative Verdienstmöglichkeiten gefördert werden.

  • Auch wenn es Beschwerden über die Wildhüter gibt, dürfen die Gesetze gegen Wilderei, Wildfleischhandel und andere illegale Aktivitäten im Park nicht aufgeweicht werden. Vielmehr sollte die Bevölkerung einbezogen werden, um die Akzeptanz zu erhöhen. Außerdem müssen die Wildhüter geschult werden, um die Beziehungen zu den Gemeinden wieder zu verbessern.

John Bosco Nkurunungi und Christine Ampumuza

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